Einblicke

An dieser Stelle berichten die ehren- und hauptamtlichen MitarbeiterInnen unseres Hospizes über ihre persönlichen Erfahrungen, von besonderen Momenten, intensiven Begegnungen und bewegenden Abschieden. Außerdem werden Sie hier regelmäßig über die Tätigkeiten des Fördervereins Diakonie-Hospiz Wannsee e.V. informiert.

24.03.2015

Vierwöchiger Praxiseinsatz im Diakonie-Hospiz Wannsee

Die 22-Jährige Jennifer Matz berichtet über bewegende, überraschende und neue Erfahrungen während ihres Praxiseinsatzes im Diakonie-Hospiz Wannsee im Rahmen ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Die Auszubildende Jennifer Matz verbrachte einen vierwöchigen Praxiseinsatz im Diakonie-Hospiz Wannsee.

Jennifer Matz ist 22 Jahre alt und befindet sich gerade im dritten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. Im Rahmen ihrer Ausbildung verbrachte sie einen vierwöchigen Praxiseinsatz im Diakonie-Hospiz Wannsee. Im Interview erzählt sie über bewegende, überraschende und neue Erfahrungen aus dieser Zeit.

Es ist bestimmt nicht leicht, Menschen am Ende ihres Lebens zu begleiten. Gab es persönliche Grenzen an die Sie gestoßen sind? Wie haben Sie die Nähe zu den Gästen und deren Angehörigen empfunden?

Auch während meines doch kurzen Einsatzzeitraumes baute sich ein Vertrauensverhältnis zwischen mir und den Gästen auf, die ich versorgen durfte. Dieses Gefühl von Nähe machte es mir schwer, von Verstorbenen Abschied zu nehmen. Es war am Anfang auch nicht leicht für mich, das Zimmer eines Verstorbenen zu betreten, weil ich unheimlichen Respekt, auch Angst davor hatte, mich so direkt mit dem Thema Tod und Sterben auseinanderzusetzen. Je mehr Zeit ich im Hospiz verbrachte, desto „natürlicher“ wurde es für mich. Ich verstand, dass der Tod einfach zum Leben dazugehört. Irgendwann machte es mir nichts mehr aus, die Aufbahrung eines Verstorbenen zu sehen. Das Pflegepersonal hat mich ganz toll aufgefangen, in Gesprächen bestärkt und mir die Angst genommen.

Erinnern Sie sich an einen besonderen Moment?

Mitzuerleben, wie schön das Zimmer der verstorbenen Gäste hergerichtet wird, war ein besonderer Moment für mich. Zu sehen, wie die Verstorbenen ein letztes Mal vom Pflegepersonal individuell gepflegt und angekleidet werden, wird etwas Besonderes für mich bleiben. Dazu gehören auch die Kerzen im Zimmer und das Kreuz und die Kerze vor dem Zimmer, die so lange brennt, bis der Verstorbene vom Bestatter abgeholt wird. Das ganze Ambiente zusammen ist sehr angenehm und die Aussegnung, an der ich teilgenommen habe, verstärkt die ganze Atmosphäre zusätzlich.

Im Hospiz werden die Gäste nach dem Konzept der Bezugspflege versorgt. Was bedeutet das?

Bezugspflege bedeutet, dass eine konkrete Schwester oder ein Pfleger während einer Schicht, meist auch über mehrere Tage, fester Ansprechpartner für einen Gast ist. Das Pflegepersonal weiß so, worauf bei dem jeweiligen Gast zu achten ist, was seine Wünsche sind und vor allem auch, was er für Gewohnheiten hat, z. B. was die Körperpflege oder Essgewohnheiten angehen. Es ist so viel einfacher, auf die Individualität jedes Gastes einzugehen, gleichzeitig kann ein Vertrauensverhältnis wachsen und Nähe zwischen Pflegendem und Gast entstehen.

Es ist schön, sich einfach Zeit nehmen zu können, um die Pflege in Ruhe durchzuführen. Dazu gehört auch, zuzuhören, da zu sein und ins Gespräch zu kommen. Die Gäste haben mir auch von ihrer Erkrankung berichtet. Ich war erstaunt, mit welcher Stärke sie ihr Schicksal annehmen können. Zudem gab es aber auch lustige Gespräche, mit dem einen oder anderen Schmankerl aus der Jugend.

In welcher Form beeinflusst diese Art zu pflegen die Beziehung von Angehörigen und dem Pflegepersonal?

Die Beziehung zwischen Angehörigen und dem Pflegepersonal ist im Hospiz eine vollkommen andere als im Krankenhausalltag. Pflegende und Angehörige stehen hier in engem Kontakt – zum einen was den Krankheitsverlauf und die Pflege betrifft, zum anderen finden Gespräche statt, die die Angehörigen entlasten und ihnen bei bestimmten Entscheidungen helfen sollen.

Was nehmen Sie für sich persönlich aus dem Einsatz mit?

Ein Hospiz ist ein ganz besonderer Ort. Ich habe bemerkenswerte Gäste kennenlernen und mit einem tollen Team zusammenarbeiten dürfen, das immer für uns Schüler da ist. Für mich persönlich nehme ich neue und zugleich auch bewegende Erfahrungen mit und das Gefühl, dass mir die Angst im Umgang mit Verstorbenen und ihren Angehörigen zum Teil sogar genommen werden konnte.

 
 
 
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